Cannabis auf Rezept? – Wie gehe ich vor und was muss ich beachten?

Vorwort: Hier gebe ich meine eigenen Erfahrungen zum Thema "Cannabis auf Rezept" wieder und trage lediglich aus dem Internet recherchierte Informationen zusammen. Damit möchte ich Menschen, die sich für eine Cannabis-Medikation interessieren eine kleine Orientierungshilfe bieten. Ich bin weder Arzt noch Naturheilkundler und gebe auch keine Ratschläge zur Medikation, oder Selbstheilung. Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken. Im Internet tauchen immer wieder Fragen über diesen Vorgang auf und es herrscht teilweise Uneinigkeit darüber welcher Patient für ein Cannabis-Rezept in Frage kommt.

 

cannabis auf rezept

Cannabis auf Rezept – In diesem Artikel geht es um die Cannabis-Medikation auf Rezept. Seit der Gesetzesänderung im März 2017 sind die Ärzte fähig Cannabis auf Rezept zu verschreiben. Hier das neue Gesetz im Wortlaut:

§ 31 Arznei- und Verbandmittel, Verordnungsermächtigung

Absatz (6): Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung haben Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter Qualität und auf Versorgung mit Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon, wenn

1. eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung im Einzelfall nicht zur Verfügung steht,

2. eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht und

3. die oder der Versicherte sich verpflichtet, an einer bis zum … [einsetzen: Datum des letzten Tages des auf das Inkrafttreten folgenden 60. Monats] laufenden nicht-interventionellen Begleiterhebung zum Einsatz dieser Arzneimittel teilzunehmen.

Informiere dich über das neue Gesetz →

Die wichtigsten Änderungen:

  • behandelnder Arzt hat die Therapiehoheit
  • andere therapeutische Möglichkeiten sollten ausgeschöpft sein
  • keine Ausnahmegenehmigung von der BfArM nötig
  • Krankenkassen müssen für eine erforderliche Cannabis-Medikation aufkommen
  • Kostenantrag wird vom Arzt an die Krankenkasse gesendet
  • Entscheidungsfrist für Krankenkassen: 4 Wochen und bei *palliativen Patienten 3 Tage

*palliativ = das Ableben des Patienten ist absehbar

Schritt 1: Stelle sicher, dass deine Diagnose unter die Bedingung „schwere Krankheit“ fällt…

Im Gesetz ist von „schwerer Erkrankung“ die Rede, zu erst solltest du dich darüber informieren ob deine Diagnose als „schwere Erkrankung“ zu deklarieren ist. Medizinisches Cannabis findet international – bestes Beispiel sind die USA – bei vielen verschiedenen Erkrankungen seinen Einsatz.

Mögliche Indikationen (Anwendungsgebiete):

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit und Abmagerung
  • Bewegungsstörungen
  • Schmerzzustände
  • Glaukom
  • Epilepsie
  • Asthma
  • Abhängigkeit und Entzugssymptome
  • Autoimmunerkrankungen und Entzündungen

(die Studien dazu findest du hier: http://www.cannabis-med.org/german/studies.htm und hier auf englisch: http://www.cannabis-med.org/studies/study.php)

All diese Indikationen müssen von einer schweren Erkrankung hervorgehen, um überhaupt eine Chance auf eine Cannabis-Medikation zu haben.

Schritt 2: Konsultiere deinen Facharzt und kläre ihn über dein Vorhaben auf. Du könntest auch Informationsmaterial mit nehmen und bei aufkommender Skepsis diese deinem Facharzt übergeben, mit der Bitte sich diese anzuschauen…

Das Gesetz ist noch sehr jung und der Ruf von Cannabis gerade auf dem Weg der Besserung. Viele Ärzte haben keine Erfahrung mit einer Cannabis-Medikation und können daher skeptisch reagieren. Ärzte stützen sich gerne auf Langzeitstudien, bevor sie eine bestimmte Medikation für ihre Patienten empfehlen. Die Wissenschaft steckt noch in ihren Kinderschuhen im Bereich „Cannabis als Medizin“, es fehlen schlicht und einfach „aussagekräftige“ Langzeitstudien in diesem Bereich. Von daher solltest du die aufkommende Skepsis seitens deines Arztes nicht übel nehmen, sie versuchen nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.

Daher solltest du gut informiert und vorbereitet deinen nächsten Arztbesuch ins Visier nehmen, um deinen Facharzt zu überzeugen. Denn laut dem neuen Gesetz haben die Ärzte die „Therapiehoheit“, d.h. sie müssen eine voraussichtliche Besserung durch die Cannabis-Medikation nahezu sicherstellen.

Schritt 3: Kostenantrag vom behandelnden Arzt an die Krankenkasse des Patienten. Hier haben die Krankenkassen laut dem neuen Gesetz eine Frist von 4 Wochen, um ihre Entscheidung zu fällen und im Falle einer Ablehnung zu begründen. Bei *palliativen Patienten sogar eine Frist von 3 Tagen.

Dein Facharzt stimmt deinem Anliegen zu und ist bereit dir ein BtM-Rezept auszulegen? Dann bleibt noch ein letzter Schritt übrig: Der Arzt muss einen Kostenantrag an deine Krankenkasse schreiben. In diesem begründet er warum eine Cannabis-Medikation für dich unausweichlich ist. Jetzt musst du nur noch hoffen, dass deine Krankenkasse diese akzeptiert und dann kannst du auch schon mit deinem Rezept zur Apotheke.

– In Deutschland gibt es verschiedene Cannabis-Präparate und natürlich die klassischen Blüten. Zu diesem Thema veröffentliche ich noch so bald einen Artikel. –

Wie gesagt dient dieser Artikel zur groben Orientierungshilfe für Patienten, die an solch einer Medikation interessiert sind. Bedenkt dabei immer, dass es ein neues Gesetz ist und Cannabis dabei ist sich neu zu etablieren. Bleibt bei eurem Arztbesuch respektvoll, höflich und arbeitet mit eurem Arzt zusammen, denn nur so habt ihr die Chance auf eine zufriedenstellende Behandlung. Ich hoffe ich konnte einige Fragen beantworten und wünsche allen Patienten viel Glück und Gesundheit auf ihrem Weg!

*palliativ = das Ableben des Patienten ist absehbar

Zum Schluss:

Wer noch Fragen hat meldet sich am besten bei der UDP, das ist die unabhängige Patientenberatung Deutschland. Diese bieten eine kostenlose Telefonberatung in verschiedenen Sprachen an, hab ich auch getan und kann ich daher weiter empfehlen. Rechts findet ihr die Links, die ich noch als wichtig erachte.

Falls ihr schon Cannabis-Patient seid und einen Cannabis-Ausweis benötigt, dann habe ich für euch noch einen Artikel „Cannabis-Ausweis – Wofür ist er gedacht?„.

UDP – Unabhänginge Patienenberatung:

https://www.patientenberatung.de/de/gesundheit/aktuelles/news-gesundheit-mai-cannabis

Bundesregierung zum neuen Gesetz:

https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/05/2016-05-04-gesetz-cannabisarzneimittel.html

Med. Cannabis Hersteller Bedrocan - Indikationen für eine Cannabis-Therapie:

https://bedrocan.com/de/produkte-services/gesundheitswesen/indikationen/

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http://hanftastisch.com/cannabis-auf-rezept-wie-gehe-ich-vor-und-was-muss-ich-beachten

7 Comments

  1. Lobenswert und emphatisch, aber zu grob umrissen.Doch es ist ein sehr guter Anfang.Geht doch noch etwas näher auf die Problematiken der Einnahme ein.Und ein Forum als Anhang wäre gut.So findet ein reger Austausch etwas konzentrierter statt.

    • Hallo Moch,
      danke für deinen Kommentar und das feedback! Welche Problematiken bei der Einnahme meinst du genau?

      Ein Forum zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch klingt für uns auch sehr verlockend, doch müssen wir erst die nötigen Kapazitäten dafür aufbringen. In Zukunft könnte vielleicht was kommen.
      Vielen Dank für die Anregung! 🙂

      MfG
      das Hanftastisch Team

  2. Hilft eine cannabis medikation bei blasenkarzinom und kann ich hierfür ein Rezept erhalten

    • Hallo Rosemarie,
      solch eine Frage solltest du am besten deinem behandelnden Arzt stellen. Cannabis-Medikationen werden bei vielen verschiedenen Krebsarten angewandt, um Appetitlosigkeiten zu bekämpfen, oder als Begleitmedikation zur Chemotherapie. Hier ist dein Onkologe der richtige Ansprechpartner, am besten konsultierst du ihn und sprichst das Thema mal an.
      Bei Unklarheiten lege ich dir die „Unabhängige Patientenberatung“ ans Herz!

      MfG
      das Hanftastisch Team

  3. Das habe ich soweit hinter mir , ich habe jetzt tatsächlich ein Rezept für 5 g Canabis bekommen. Nun kommt es , ich war in unzähligen Apotheken quer durch Berlin ,in keiner Apotheke ist es vorrätig oder wissen die Betreiber wie oder wo Sie es ordern können. Seit letzter Woche Donnerstag warte ich auf ein Feedback der Apotheken …….. traurig ist das , endlich hat man ein Rezept erkämpft und dann steht man wieder da.

    • Hallo Iris,

      danke für deinen Kommentar! Nach jeder Hürde folgt die Nächste, leider bewährt sich das neue Gesetz in der Praxis nicht wirklich. Hast du das Rezept von einem Kassenarzt oder Privatarzt? Lieferengpässe sind Gang und Gebe seit dem neuen Gesetz, normalerweise solltest du dein Cannabis auch über eine Apotheke bestellen können, entweder um es anschließend abzuholen, oder es dir direkt nach Hause liefern zu lassen.

      Was sagen die Apothekenbetreiber denn zu deinem Anlass?

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